Neue Handwerksordnung ist ein Erfolg

Eine erste Bilanz der Betriebsentwicklung zeigt, dass die Zahl der Betriebe erstmals wieder steigt. Noch liegen zwar keine endgültigen Zahlen vor. Doch Zahlen der Handwerksstatistik zeigen, dass das Handwerk bundesweit ein Plus von 1,9% verzeichnen kann – nach jahrelangem Rückgang. Der Wegfall des Meisterzwangs in den neuen B1-Gewerken (53 meisterfreie Handwerksberufe seit 1.1.2004) hat allein in diesem Bereich zu einem Zuwachs von 15,7% geführt. Die neue Handwerksordnung ist also ein Erfolg – auch wenn sie bei weitem noch nicht alle Wünsche des IFHandwerk und seiner Mitglieder erfüllt hat.

Die Zuwächse konzentrieren sich vor allem auf 7 Berufe im Baubereich:
1. Fliesenleger
2. Gebäudereiniger
3. Raumausstatter
4. Parkettleger
5. Estrichleger
6. Schneider
7. Fotografen.

Diese Berufe hatten 2004 den stärksten Zuwachs neuer Betriebe. Und sie stellen 72% aller neugegründeten Handwerksbetriebe. 22% kommen aus dem noch immer zulassungspflichtigen Handwerk (hier können jedoch Gesellen als Betriebsleiter anerkannt werden). Enttäuschend fällt die Bilanz der stark umkämpften Neu-Regelung einfacher Tätigkeiten aus. Der Grund hierfür ist simpel: Es ist gar nicht so einfach zu klären, was als einfach gilt. Die gesetzliche Bestimmung ist verunglückt, so dass Praktiker ohne unabhängigen Expertenrat mit der Anmeldung einfacher Tätigkeiten zu Recht Probleme von den Handwerkskammern befürchten. Die Erfahrungen des IFHandwerk zeigen: Die Sorge ist berechtigt und guter Rat normalerweise teuer.

Standesvertreter kommentieren den Betriebs-Zuwachs nur mit Klagen: 78% aller Neugründunger seien ohne fachspezifische Qualifikation. Sie beschwören nach Auffassung des IFHandwerk eine Dequalifizierungsspirale: Nur Dumme gründen freie Handwerksbetriebe. Kein Wort davon, dass jetzt endlich der Markt entscheiden kann und damit die Kunden. Und nicht mehr die Handwerkskammer.

Wer Existenzgründern ohne Meisterbrief nicht bei der Gründung hilft, fördert letztlich Schwarzarbeit. Denn die Schattenwirtschaft ist letztlich der einzige wachsende Sektor in der Bundesrepublik. Der Münchner Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn hält – zu Recht – die derzeitige Strukturkrise in Deutschland für hausgemacht. IFHandwerk-Geschäftsführer Michael Wörle fordert: „Mit der Beseitigung unnötiger bürokratischer Gründungshürden fängt der Aufschwung an.“

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.