Einer, der uns versteht. Sascha Lobo über das verzerrte Bild der Selbstständigen in Deutschland

Es kommt nicht oft vor, dass das in Medien gezeichnete Bild von Selbstständigen richtig ist. Die ganze Diskussion um Corona-Hilfen, Lockdown, Selbstständige als Schmarotzer und Kostgänger der Allgemeinheit durchzieht die Berichterstattung so prägend, dass es kaum möglich ist, wirksam gegen zu halten. Der Grund: Das Urbild der Gewerbeordnung wird vom Gegensatz Arbeitnehmer – Selbstständige geprägt. Die heutige Diskussion ist geprägt von den „Polkappen“ Arbeitnehmer (Gewerkschaften) – Arbeitgeber (Arbeitgeberverbände). Da haben Solo-Selbstständige nichts zu melden, sie kamen vor der Coronakrise gar nicht mehr vor. Bei der „Rückvermeisterung“ im Handwerk waren sie gar soetwas wie prekäre schmutzige Wettbewerber. Soloselbstständige sind arm, prekär, zahlen nicht in die Rentenkasse ein und fallen, wenn Sie scheitern, der Allgemeinheit (dem Steuerzahler) zur Last. Kein Wort davon, dass ein Drittel der Rentenbeiträge von den Steuerzahlern bestritten werden.

Mit anderen Worten: Selbstständige zahlen Steuern, bekommen aber nichts aus der Rentenkasse. Ihre Steuern kommen Arbeitnehmern zu Gute. Diese Ungerechtigkeit, das falsche „Mindset“, wie das der Bundestagsabgeordnete Johannes Vogel (FDP) in einer tollen Rede im Bundestag ausdrückte, ist Arbeitnehmervertretern, Arbeitgebervertretern und Beamten kaum erklärbar. Dabei haben gerade sie die ursprüngliche starke Stellung der Selbstständigen in der Gewerbeordnung unmerklich zu Lasten der Selbstständigen verschoben.

Sascha Lobo hat in einem lesenswerten Kolumne im Spiegel das Bild wieder geradegerückt:

Sascha Lobo: „Die Union ist stets Freundin der großen Unternehmen und Konzerne. Die SPD sieht in der Festanstellung das allein seligmachende Heil, von den Gewerkschaften ganz zu schweigen.“

Und:

„Die wahre Staatsreligion in diesem Land ist die Festanstellung…. Bei Selbstständigen tut der Staat so, als seien sie selbst schuld an fehlenden Aufträgen.“

Danke Sascha! Das musste mal gesagt werden.

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